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Sensus communis - Gemeinsinn

5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist erfüllt von der Güte des HERRN. (Ps 33:5, Schlachter)

Der Sensus communis (Gemeinsinn, gesunder Menschenverstand) bemerkt, daß Himmel und Erde voller Sinnbilder der Gnade und des Zornes Gottes sind.

Die Erde ist voll der Gnade des Herrn, und auch die Weisheit auf der Gasse spricht von ihr in unendlich mannigfacher Weise. Folglich ist sie ein Opjekt des Sensus communis, weil dieser jenes Sensorium ist, das auffaßt, was die Weisheit unter unzählbar verschiedenen, doch aber miteinander zusammenstimmenden Zeichen ausspricht.

Die Rede der Weisheit ist teils eine unmittelbare, teils eine mittelbare. Die unmittelbare dringt vor bis zur einfachen Leuchte der Seele, wendet sich an die Ideen, die von innen hervorgerufen werden können, und wird durch den Sinn für die allgegenwärtige Gottheit aufgenommen.

Die mittelbare Rede der Weisheit aber wirkt auf die Vernunft oder die noemata (Wahrnehmung oder Gedanken , Phil 4:7; 2.Kor 3:14; 4:4;11:3) und erweckt überall die Aufmerksamkeit auf das Einfachste, Nützlichste und Notwendigste.

7 Und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken bewahren in Christus Jesus! (Phil 4:7, Schlachter)

3 Wenn aber unser Evangelium verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die verlorengehen;
4 bei den Ungläubigen, denen der Gott dieser Weltzeit die Sinne verblendet hat, sodass ihnen das helle Licht des Evangeliums von der Herrlichkeit des Christus nicht aufleuchtet, welcher Gottes Ebenbild ist.
(2. Kor 4:3-4, Schlachter)

Wer nun im Universum allenthalben das Einfachste und Nützlichste sich auserkoren hat, der wird erkennen, daß die Kräfte der Natur, die scharfen sowohl als auch die milden, wo nämlich das Gewaltige mit dem Feineren, das Weiche mit dem Harten in Einklang steht, überall emblematisch (ein aus den sichtbaren Geschöpfen genommenes Bild, das teils unsichtbare, teils sichtbare Dinge bezeichnet) sind. Er wird sehen, daß sich in der Natur Mittel finden, die Leben und Genesung darbieten, ebenso aber auch die grausamsten Gifte, die schauderhafte Übel mit sich bringen und in die Höhe kommen lassen.

Wenn er aber von da in gehöriger Schlußfolgerung voranschreitet, so sieht er auf der einen Seite, daß die Erde zwar voll der Gnade des Herrn ist, auf der anderen Seite aber ein Böses eingedrungen ist, das den Fluch Gottes erregt.

Er schließt weiter und kommt zu der Üerzeugung, der Herr, der alles zum Guten geschaffen hat, werde bewirken, daß dereinst das Gute das Übergewicht über das Schlimme gewinnt.

(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, „ Die Weisheit auf der Gasse“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 31.05.2026, 09:24 Uhr

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