21 Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut. (Mat 7:21, Schlachter)
2 Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist. (Rö 12:2, Schlachter)
Der menschliche Wille ist das Organ, Entschlüsse zu fassen. Etwas zu begehren oder nicht, etwas zu wählen oder nicht – das sind typische Willensentschlüsse. Der Wille ist das „Ruder“, mit dem der Mensch auf den Wogen seines Lebens dahinsteuert.
Der Wille des Menschen kann als sein eigentliches Ich betrachtet werden, weil er ihn kennzeichnet. Sein Handeln ist das Handeln des Menschen. Wenn wir sagen: „Ich will“, ist es unser Wille, der zum Ausdruck kommt. Sagen wir: „Ich möchte, ich entscheide“, ist es wiederum unser Wille, der sich meldet. Unser Wille handelt für den ganzen Menschen. Unsere Gefühle äußern nur, was wir empfinden. Unser Verstand sagt uns, was wir denken. Aber der Wille äußert, was wir wollen. Darum ist er der einflussreichste Bestandteil unserer Persönlichkeit.
Der Wille reicht tiefer als das Gefühl oder der Verstand. Wenn wir nach geistlichem Wachstum streben, dürfen wir nicht unsere Willenskraft außer acht lassen. Viele machen den Fehler und betrachten „Religion“ als Gefühlssache. Sie meinen, Religion beruhige oder beglücke nur die menschlichen Gefühle. Andere behaupten „Religion“ müsse mit der Vernunft zu vereinbaren und dürfe nicht zu stark gefühlsbetont sein. Sie akzeptieren nur eine Art Vernunftsreligion. Beide Gruppen erkennen aber nicht, daß wahre „Religion“ nicht an sich auf das Gefühl oder den Verstand zielt, sondern dem menschlichen Geist Leben geben soll und seinen Willen völlig unter den Willen Gottes zu stellen sucht.
Unser „religiöses“ Erleben ist sehr oberflächlich, wenn es in uns keine Bereitschaft erzeugt, den ganzen Ratschluss Gottes willentlich anzunehmen. Was hülfe es einem Menschen, wenn sein Wille auf dem geistlichen Lebensweg nie ein echtes Zeichen wahrer Gnade bekundete, oder wenn der Wille nicht einmal berührt würde?
Wahres und vollkommenes Heil errettet den Willen des Menschen. Alles andere, was nicht zu einer völligen Errettung des menschlichen Willens ausreicht, ist umsonst. Alle schönen Gefühle und lichten Gedanken gehören ausschließlich dem äußeren Bereich an.
Der Mensch mag Freude, Trost und Frieden in seinem Glauben an Gott finden; er kann die Majestät Gottes begreifen und wunderbares Wissen sammeln – aber kann er echte Gemeinschaft mit ihm haben, wenn sein Wille nicht eins geworden ist mit dem Willen Gottes?
Die Vereinigung des menschlichen mit dem göttlichen Willen schafft die einzig wahre Einheit. Darum muß der Gläubige, nachdem er das Neue Leben empfangen hat, nicht nur auf seine Intuition achten, sondern auch auf seinen Willen.
(Watchman Nee, „Der geistliche Christ“)
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