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"Der äußere Mensch ist wie ein Tier,..."

Der äußere Mensch ist wie ein Tier, das seinem Geschäft nachgeht und dieses Leben
mit der Sorge ausfüllt, wie er sich und die Seinen hoch und wohl durchbringe und dieser Welt recht und immerdar genieße.

Der innere, neue Mensch aber ist ein Geist aus Gott. Weil Gott in Christus menschlich geworden ist und unser Fleisch und Blut angenommen hat und daher auch menschliche Gedanken und Triebe auf eine Gott geziemende Art gehabt hat, treibt dieser Geist des Menschen Wesen, Suchen und Lust immerdar in Christi Fleisch und Blut.

Dahin gelangt man nun durch ernstliches Eindringen in Christi Art, die dem natürlichen Sinn lauter Torheit und Gift ist, wobei man das Treiben des äußeren Menschen immer von Herzen empfindet und es unterdrückt.

Man erreicht die Geburt dieser Gesinnung nicht durch lange gesetzliche Eigengeschäftigkeit. Gott hat sich selber in seiner lauteren Liebe auf menschliche Art zu uns herabgegeben und begegnet uns auch so.

Da kommt es nur auf ein wenig Treue an, die der ihr begegnenden besonderen göttlichen Führung und Kraft nicht ausweicht, und auf ein stilles Anhalten in der Weise, in der man einmal vom Herrn angefaßt worden ist, bis man darin bestätigt wird.

Die göttliche Kraft offenbart sich augenblicklich, so daß der Mensch in seiner Schande und in seinem Unvermögen plötzlich davor niedersinkt und auf solche Art die Fassung eines guten Willens in einem himmlischen Leib als in einem Senfkörnlein empfängt. Aber dieser herrliche Leib soll ihm hier noch verdeckt bleiben; es ist genug, daß er immer ein wenig von Jesu Nähe fühlen kann.

(Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, aus: „Weisheit im Staube“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 24.06.2026, 08:30 Uhr

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