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"Als die Gottessöhne bei den Menschen einkehrten"

1 Und es geschah, als die Menschen begannen, sich zu vermehren auf der Fläche des Erdbodens, und ihnen Töchter geboren wurden,
2 da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, dass sie gut waren, und sie nahmen sich von ihnen allen zu Frauen, welche sie wollten.
(1. Mose 6:1-2, Elb)

Diese Formulierung bezieht sich auf eine der geheimnisvollsten und faszinierendsten Passagen der Bibel in 1. Mose 6,1–4 (Genesis). Der Text beschreibt die Zeit direkt vor der Sintflut, in der übernatürliche Wesen („Gottessöhne“) Beziehungen mit menschlichen Frauen („Menschentöchtern“) eingingen

Laut der Lutherbibel geschah Folgendes:

Die Begegnung:
Als die Menschen begannen sich zu vermehren, sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und nahmen sich Frauen nach ihrer Wahl.

Die Konsequenz:
Gott begrenzte daraufhin die Lebenszeit der Menschen auf 120 Jahre, weil sie „Fleisch“ (schwach und vergänglich) sind.

Die Nachkommen:
Aus dieser Verbindung gingen die "Nephilim" hervor – Riesen und die „berühmten Helden der Vorzeit“.


Was meint die Bibel mit Gottessöhne?

In der Bibel meint der Begriff „Gottessöhne“ (oder „Söhne Gottes“) meist himmlische Wesen oder Engel, die zu Gottes himmlischem Hofstaat gehören. Im Neuen Testament und an einigen Stellen im Alten Testament wird der Ausdruck zudem für Menschen verwendet, die in einem besonderen Naheverhältnis zu Gott stehen.

Himmlische Wesen und Engel

Himmlischer Hofstaat:
Im Buch Hiob (Hiob 1,6; 2,1; 38,7) treten die „Söhne Gottes“ vor den Thron Gottes. Damit sind himmlische Geistwesen oder Engel gemeint.

Die Bibel gibt uns keinen Grund zu glauben, dass Engel ein Geschlecht haben, oder fähig sind sich zu vermehren.

Menschen als Kinder Gottes

Im Alten Testament:
Auch das Volk Israel oder dessen Richter und Könige werden gelegentlich als Söhne des Höchsten bezeichnet, da sie erwählt und untergeordnet sind.

Im Neuen Testament:
Hier wandelt sich die Bedeutung stark. Wer an Jesus Christus glaubt und vom Geist Gottes geleitet wird, erhält das Recht, „Kind Gottes“ oder „Sohn Gottes“ genannt zu werden (z. B. Römer 8,14 und Galater 4,6).

Jesus Christus:
Im einzigartigen, theologischen Sinn ist Jesus Christus der „Sohn Gottes“ schlechthin, was seine göttliche Identität und Einzigartigkeit ausdrückt.


Die drei Hauptdeutungen der „Gottessöhne“

Da der hebräische Begriff Bene Elohim (Söhne Gottes) Raum für Interpretationen lässt, gibt es in der Theologie drei klassische Erklärungsansätze

1. Gefallene Engel (Die mythologische Deutung)

Diese Ansicht besagt, dass es sich um himmlische Wesen oder Engel handelt, die ihre Sphäre verließen.

Sie wird durch das apokryphe Buch Henoch und das Neue Testament (z. B. Judas 1,6) gestützt.

2. Die Linie von Seth (Die religiöse Deutung)

Die „Gottessöhne“ seien die gottesfürchtigen Nachkommen von Adams Sohn Seth gewesen.
Die „Menschentöchter“ stammten hingegen aus der gottlosen Linie des Brudermörders Kain. Die Vermischung führte zum moralischen Verfall.

3. Mächtige Herrscher (Die historische Deutung)

Der Begriff bezeichnet hier dynastische Herrscher, Könige oder Tyrannen der Urzeit, die sich selbst als göttlich ansahen und sich rücksichtslos Frauen nahmen.

Die Erzählung dient in der Genesis als Vorgeschichte zur Sintflut. Sie zeigt, dass die gottgewollte Grenze zwischen Himmel und Erde, Geist und Fleisch überschritten wurde. Diese fundamentale Störung der Schöpfungsordnung führte letztendlich dazu, dass Gott beschloss, die Menschheit durch die Flut zu strafen und mit Noah einen Neuanfang zu wagen.
[www.]


Verfasst: 07.08.2026, 11:02 Uhr
Editiert: 07.08.2026, 11:06 Uhr

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