In dem heutigen Blogbeitrag möchte ich mich mal dem Thema "Jesus in Indien" widmen. Ein Thema, das auch schon wieder dermaßen skurril daherkommt, sodass man sich wie so oft zu Beginn einfach nur die Frage stellt, wie man auf so etwas überhaupt kommt. Die Neugierde überwiegte aber mal wieder und so kam es, dass ich mich dem mal angenommen habe, um mir eine eigene Meinung zu bilden.
Wie nähert man sich dieser Annahme am besten? Vielleicht mit der Frage, weshalb Jesus nach Indien gereist sein soll, denn das unser Herr plötzlich ein Heißhunger auf ein leckeres pikantes Curry und einen Masala Chai hatte, ist wohl ganz klar auszuschließen.
Hier herrscht bereits erste Uneinigkeit unter denjenigen, die Jesus einen Aufenthalt in Indien zuschreiben wollen. Manche gehen davon aus, dass Jesus zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr nach Indien gereist ist; andere glauben, er sei erst nach der Kreuzigung nach Indien gegangen.
Da die letzte These, Jesus sei nach der Kreuzigung nach Indien gegangen, komplett der biblischen Lehre widerspricht und es auch sonst keinen handfesten historischen Beleg gibt, kann man sie ganz klar in die Schublade Irrlehre und belangloser Unfug einsortieren!
Damit bleibt die Position übrig, die davon ausgeht, dass Jesus irgendwann zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr nach Indien gereist ist. Als Grund wird häufig angegeben, er suche spirituelle Erfahrungen. - Wieso der Sohn Gottes spirituelle Erfahrungen benötigen soll, wird so erklärt, dass Jesus bis zu seinem 30. Lebensjahr weitgehend menschlich war und das Göttliche vom Vater erst allmählich in ihm wuchs. What? (das wird später noch wichtig)
Bereits hier muß ich gestehen, dass das für mich wenig Sinn ergibt und nur weil in der Bibel nichts geschrieben steht, was Jesus zwischen dem 12. und 30 Lebensjahr machte, gleich eine spirituelle Indienreise daraus zu schließen, ist mir persönlich nicht überzeugend genug. - Gerne hätte ich hier bereits die Jesus in Indien Hypothese verworfen, doch fairerweise bekommt jede Thematik die nötige Tiefe um vernünftig ausgearbeitet zu werden.
So bin ich der Quelle gefolgt, auf der diese Annahme beruht, und dort wird es doch noch interessant: Während die abrahamitischen Quellen bis auf wenige Ausnahmen in einzelnen Apokryphen kaum etwas über Jesu Jugend berichten, gibt es im interreligiösen Kontext dann doch noch die eine oder andere Quelle, die genauer betrachtet werden sollte.
Aus diesem Grund ließe sich sicherlich ein kleines Büchlein darüber schreiben, wenn einem das Thema am Herzen liegt. Da mir das Thema nicht allzu wichtig ist, beschränke ich mich hier auf eine knappe Zusammenfassung. Grob lässt sich daraus entnehmen, dass es auch außerhalb der abrahamitischen Religionen zwei widersprüchliche Positionen gibt, die auch unterschiedliche Belege vorlegen.
Die Hauptquelle, die das Thema bekannter machte, dürfte eindeutig Nikolai Notowitsch (1858–1934) zugeschrieben werden. Notowitsch war fest im orthodoxen Glauben, jüdischer Abenteurer, Journalist und Autor, der gern reiste. Seine Bekanntheit erlangte er 1894 durch sein Werk "La vie inconnue de Jésus-Christ" (Das unbekannte Leben Jesu Christi), in dem er berichtet, während einer Reise nach Indien im Hemis-Kloster in Ladakh auf alte Schriften gestoßen zu sein, aus denen hervorgeht, dass Jesus Christus in seiner Jugend Indien bereiste, um spirituelle, buddhistische und hinduistische Praktiken zu erlernen.
Die Schrift, die Notowitsch im Kloster gezeigt wurde und den Titel „Das Leben des Heiligen Issa, des Besten der Menschensöhne“ trug, soll eine uralte Überlieferung darstellen, die von Anhängern des lamaistischen Buddhismus angenommen worden sei.
Hier wird die Sache jedoch schnell schwammig. Erstens stammt der Buddhismus aus dem Hinduismus, und daher müsste die Quelle auch in vedischen Schriften verankert sein – was offensichtlich nicht der Fall ist. Zweitens trifft zwar zu, dass Notowitsch die Jesus in Indien Hypothese populär machte, doch war bereits Louis Jacolliot (1837–1890) vor ihm mit dem Thema beschäftigt. Wer sich gelegentlich in theosophischen Kreisen bewegt, könnte auf den Namen Jacolliot stoßen, etwa im Zusammenhang mit Begriffen wie „Vril-Kraft“ oder geheimen Energien. Jacolliot war Indologe und Autor, der sich für indische Kultur und Religion interessierte. Seine Werke sind jedoch umstritten, da viele Behauptungen ohne belegende Quellen vorgetragen wurden; deshalb gilt er in der Fachwelt als kritisch.
Schließlich soll der Philologe Max Müller (1823–1900) und Professor Archibald Douglas (1866–1930) der Sache nachgegangen und Kontakt zum Kloster aufgenommen haben, um sich über die ominöse Schrift informieren zu lassen, während der Lama selbst alle Behauptungen bestritten haben soll. Unter dem öffentlichen Druck soll Notowitsch gestanden haben, die Geschichte erfunden zu haben; er habe dies jedoch immer wieder eingeräumt und versicherte ihre Wahrheit und bekräftigte das Jesus in Indien war.
Was Notowitsch zugutehalten werden kann, ist, dass er ein recht anständiger Mensch gewesen sei, der sich nie etwas zu Schulden kommen ließ und bis zu seinem Tod der orthodoxen Kirche verbunden blieb. Demgegenüber soll Professor Archibald Douglas mit dem bekannten Aleister Crowley befreundet gewesen sein und dessen freizügige Lebensweise und Freude an der Sünde geschätzt haben.
Weiß nicht, wem traut man hier mehr?
Denn den Behauptungen von Müller und Douglas stehen Aussagen von Swami Abhedananda, einem direkten Schüler von Ramakrishna Paramahansa gegenüber, der amüsanterweise auch noch ein Begleiter Müllers war. Steht sich hier West und Ost etwa im alten Konflikt gegenüber? Nun ja, zumindest ab hier wird es etwas undurchsichtig, da nun auch der bekannte Paramahansa Yogananda (1893-1952) und auch der Maler und Philosoph Nicholas Roerich (1874-1947) die Existenz dieser Schrift bezeugten und sogar Kapitel und Verse benannte, da sie über den Lama direkten Einblick hatten.
Zusammenfassend kann man sagen, das man im westlichen Kulturkreis die Thematik als unbelegt und hanebüchen abtut, wo hingegen in der südostasiatischen Kultur nicht wenige an den alten Überlieferungen festhalten und Jesus in Indien als historische Tatsache behandeln.
Mir drängt sich hier der Eindruck auf, dass es ähnlich ist wie beim historischen Verständnis von Altersangaben und Überlieferungen der alten Harappa-Kultur und des Ursprungs des Sanātana Dharma: Westliche Gelehrte scheinen oft mehr Wahrheit und Hintergründe erkennen zu wollen als die Einheimischen und deren Überlieferungen selbst. Unabhängig davon, ob Jesus in Indien war oder nicht, zeigt sich deutlich, dass westliche vermeintliche Experten hier erneut eine Überheblichkeit und Absolutheit an den Tag legen, die in diesem Zusammenhang kaum angemessen wäre.
Ob es diese ominöse Schrift wirklich gibt, ist bislang unbekannt. Ich komme zu dem Ergebnis, dass es eine Schrift oder sogar mehrere geben wird, die älter sind als die abrahamitischen Religionen zusammen und die etwas beschreiben, das man auf unseren Herrn Jesus Christus schließen könnte. Ich sage bewusst „könnte“, da ich weiß, dass es im Sanātana Dharma ähnliche Persönlichkeiten wie Jesus gab und es deshalb nicht automatisch unser Jesus sein muss.
Die Schnittstellen ergeben sich aus den im interreligiösen Dialog erarbeiteten Erkenntnissen über die indischen Wurzeln des Christentums. Wer sich intensiver damit beschäftigt, findet tatsächlich mehr Parallelen und Übereinstimmungen als Abweichungen. Betrachtet man religionshistorisch die Verbindungslinien, erkennt man rasch, welche christliche Lehre wo ihren Ursprung hat. Aber das würde hier jetzt den Rahmen sprengen.
Während meiner Recherche bin ich dann auf ein gutes Beispiel gestoßen. Und da auf eine Schrift, deren Überlieferungsdaten sich stark unterscheiden. Wo westliche Gelehrte eine mittelalterliche Fälschung erkennen und Hindus hingegen eine Bestätigung finden. Richtig es geht um eine Heilige Schrift, die auf den Namen Bhavishya Purana hört und in der ein spannender Text enthalten ist.
Der Text handelt von einem König auf Pilgerreise, der im Himalaya auf einen erhabenen und außergewöhnlichen Sadhu trifft. Dieser hatte längere weiße Gewänder an, trug langes Haar und Bart und ein Glanz ging von ihm aus. Eine sehr untypische Erscheinung. Er sagte das er „Isha Putra“ übersetzt der Sohn Gottes ist, geboren von der Mutter, Jungfrau Kumari (übersetzt Maria) und es seine Aufgabe ist den Mlecchas, das sind Völker außerhalb Indiens die Wahre Religion zu überbringen ...
19,22 Einst ging der Bezwinger der Sakas nach Himatunga und mitten im Huna-Land (Hunadesh – das Gebiet in der Nähe des Manasa Sarovara oder des Kailash-Berges in Westtibet) sah der mächtige König einen glückverheißenden Mann, der auf einem Berg lebte. Die Haut des Mannes war golden und seine Kleidung war weiß.
19,23 „Der König fragte: ‚Wer sind Sie, mein Herr?‘‚ Sie sollten wissen, dass ich Isha Putra bin, der Sohn Gottes‘, antwortete er selig, und ‚von einer Jungfrau geboren wurde.‘‘
19,24 Ich bin der Erklärer der Religion der Mlecchas und halte mich strikt an die Absolute Wahrheit. Als der König dies hörte, fragte er: ,Was sind Ihrer Meinung nach die religiösen Prinzipien?
Lukas 2,49 Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
Kommentare zu diesem Blogeintrag
Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Blogeintrag.